Beziehungen der Bistümer Prag und Meißen

Diese digitale Präsentation führt in verschiedene, insbesondere geistliche Aspekte mittelalterlicher Herrschaft und Kultur in den Nachbarländern Böhmen/Tschechien und Sachsen ein. Dargestellt wird die Entwicklung vom Hohen Mittelalter bis zum Beginn des Spätmittelalters: 973 wurde das Prager Bistum gegründet, daran zeigt sich die Verfestigung der christlichen Mission in den Formen der katholischen Kirche. Die Präsentation endet um 1400, bevor mit den kirchenkritischen Thesen des böhmischen Reformers Jan Hus eine neue Zeit anbrach.

Das Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa hat die Zielsetzung, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln, unter anderem durch Ausstellungen. In diesem Fall wählen wir die Form der digitalen Präsentation.

Grundlagen und die Gründung der Bistümer

Den Besucher*innen werden auf verschiedenen Ebenen zentrale Themen aus Geschichte, Kunst und Kultur vorgestellt, die untereinander auf verschiedenen Wegen verknüpft sind. Alle können künftig noch erweitert und vertieft werden. Die Ausstellung gliedert sich in fünf Teilbereiche.

 

I  Im ersten Bereich „Historische Grundlagen“ wird die Rolle des Christentums im frühmittelalterlichen Böhmen vorgestellt, und es wird gezeigt, an welche bestehenden religiösen Traditionen die christlichen Missionare anknüpften.

 

II  Um die Gründung der Bistümer Meißen und Prag geht es im zweiten Teil der Ausstellung. Beide wurden – zusammen mit einer Reihe weiterer ostmitteleuropäischer Bistümer – in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts gegründet und signalisieren die institutionelle Verfestigung christlicher (geistlicher und weltlicher) Herrschaft in diesem Bereich. Um die Dimension dieser Ereignisse zu verdeutlichen, werden in der Ausstellung nicht nur die Gründungen der Bistümer Meißen und Prag thematisiert, sondern auch zwei der Nachbarbistümer – Breslau und Olmütz – vorgestellt.

Identifikationsfiguren und die Schätze der Bischöfe

III  Um die christliche Religion in der Bevölkerung zu verankern, war es sehr wichtig, Personen aus den regionalen Erinnerungsgemeinschaften zu Kristallisationspunkten christlicher Identität zu machen und die Erinnerung an diese Personen an bestimmten Orten, das heißt in bestimmten Kirchen, zu institutionalisieren. Deshalb werden im dritten Teil der Ausstellung einige dieser Identifikationsfiguren vorgestellt. Zum Zweck der Verankerung des neuen Glaubens im Bewusstsein der Bevölkerung wurden (nicht nur in Ostmitteleuropa) in neu missionierten Gebieten Heiligenkulte um Personen gegründet, die in diesen Gebieten gewirkt hatten. Das konnten Bischöfe sein, wie der heilige Adalbert von Prag oder der heilige Benno von Meißen, aber auch weltliche Herrschaftsträger wie der heilige Wenzel (Herzog von Böhmen) und seine Großmutter Ludmilla.

 

IV  Den Protagonisten der Bistümer, nämlich den Bischöfen, widmet sich der vierte Teil der Ausstellung. Dabei wird zunächst auf die Verknüpfungen und gegenseitigen Einflussnahmen zwischen den Bistümern Meißen und Prag eingegangen. Besonders in der Frühzeit der Bistümer ist es auffällig, dass eine Reihe von Prager Bischöfen aus Sachsen kam, dessen Schwerpunkt zu dieser Zeit jedoch in den Gebieten der heutigen Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt lag, weniger im heutigen Freistaat Sachsen und im Bistum Meißen. Im 14. Jahrhundert dagegen verdankten mehrere Meißner Bischöfe ihr Amt den engen Beziehungen zum Prager Herrscherhof. Das Beispiel einer dieser „grenzüberschreitenden“ Personen, das des Bischofs Bernhard III. von Meißen wird herausgegriffen und dieser „Netzwerker“ näher vorgestellt. Auf der Ebene der materiellen Kultur sind besonders die Domschätze einen Blick wert. Über ihre prächtige Erscheinung hinaus geben sie durch die Wahl der in Kunstwerken dargestellten Personen (Heilige und Bischöfe) einen Hinweis auf das Selbstverständnis der Bischöfe.

Künstlerischer Austausch

V  Nach dem personellen wird im fünften Teil der Ausstellung der künstlerische Austausch zwischen den Bistümern Meißen und Prag thematisiert. Das Pirnaer Antependium aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gilt als eines der bedeutendsten Werke böhmischer Kunst, das heute noch in Sachsen bewundert werden kann. Auch in den gegen Ende des 14. Jahrhunderts geschaffenen Werken im Meißner Dom ist böhmischer Einfluss in Form des sog. „Schönen Stils“ unübersehbar.

 

Die Präsentation entstand auf der Basis eines Grundlagenprojekts zur Entwicklung des sächsisch-böhmischen Sakralraums, das von Mai bis Dezember 2022 am GWZO Leipzig durchgeführt und vom Landtag des Freistaates Sachsen gefördert wurde.